H I S T O R I S C H E R  B E Z U G  -  W A L L E N S T E I N

Als er im Herbst 1608 sein Horoskop in Auftrag gab, war Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, nach Schiller gewöhnlich „Wallenstein“ genannt, 25 Jahre alt und zwei Tage zuvor zum katholischen Glauben übergetreten – eine übliche Maßnahme zur Karriereförderung unter dem Kaiser. Wallenstein war damals nicht mehr als ein Landadliger unterster Stufe. Im Jahre 1604 sammelte er seine ersten Erfahrungen beim Militär und lernet so das Handwerk, das ihn berühmt machte, „von der Pike auf“. Nach im selben Jahr wurde er Kommandeur einer Kompanie. 1605 erkrankte Wallenstein schwer, vermutlich an Syphilis. Diese und weitere Krankheiten bestimmten von da an sein Leben. Immer wieder war ans Bett gefesselt; später peinigten ihn Gichtanfälle. Dessen ungeachtet trug sein Ehrgeiz erste Früchte: 1607 wurde er am Hof von Erzherzog Matthias, dem Bruder Kaiser Rudolfs II., zum Kammerherrn ernannt.

Seines Horoskops eingedenk, heiratete Wallenstein eine reiche Witwe und stieg so in die mährische Ständegesellschaft auf. Als Mitglied der Ständedeputation begegnete er 1614 Erzherzog Ferdinand von Steiermark, dem späteren Kaiser. Wallenstein setzte fortan seine ganzen Hoffnungen auf Ferdinand. Diese Rechnung ging auf, als Ferdinand 1617 zum König von Böhmen gekrönt wurde. Gegen Herkunft und Mitgliedschaft in der Ständegesellschaft stand er zu Ferdinand und bot ihm die Werbung von Söldnern gegen die „böhmischen Rebellen“ für sechs Monate an. Dieses erste Kriegsunternehmen war für Wallenstein zunächst mit erheblichen Kosten verbunden. Während des Feldzugs entwendetet Wallenstein sogar die mährische Ständekasse und übergab sie Ferdinand. Dieser distanzierte sich zwar von Wallensteins Aktion, doch wusste er nun, dass er in dem böhmischen Adligen einen treuen Verbündeten hatte.

Wallenstein kaufte nach der Niederlage der Rebellen 1622 in großem Stil konfiszierte Güter auf, u.a. Friedland und Rechenberg. Der mittlerweile zum Kaiser gewählte Ferdinand gestattete ihm die Zusammenlegung der Güter zum Fürstentum Friedland und erhob ihn 1623 in den Pfalzgrafen- und Fürstenstand. Wallenstein bot dem Kaiser in diesen Jahren immer wieder an, auf kaiserliche Kosten Truppen anzuwerben. Zunächst wurde der Vorschlag aus Geldmangel abgelehnt, doch am 7.April 1625 erfüllte sich der Wunsch Wallensteins – allerdings anders als erwartet: Der Kaiser ernannte Wallenstein zum Befehlshaber über eine Streitmacht von etwa 24000 Mann. Mit dieser Armee drang Wallenstein tief ins Reich vor und schlug das Winterquartier in den Stiften Magdeburg und Halberstadt auf, im Gebiet des Niedersächsischen Reichskreises, den es zu bekämpfen galt. Von dort aus koordinierte Wallenstein seine Aktionen gegen den Kreis, dessen Oberhaupt der dänische König war. Bevor es zur Schlacht kam, gaben beide Seiten ihren Friedenwillen zu erkennen; bei den Verhandlungen fungierte Wallenstein als Übermittler kaiserlicher Wünsche. Die Friedensbemühungen scheiterten, und Wallenstein lernte in dieser Zeit, wie entscheidend das Recht war, selbständig verhandeln zu dürfen. In den anschließenden Kämpfen standen die Sterne für Wallenstein nicht günstig. Es gab kein gemeinsames Vorgehen mit Tilly, dem General der katholischen Liga – der erfahrene Soldat nahm den jungen General offenbar nicht ernst und erfüllte getroffene Vereinbarungen nicht. Zudem führten Intrigen am kaiserlichen Hof, die die Versorgung der Armee bewusst verschleppten, immer wieder zu Engpässen. Mehrfach trug sich Wallenstein mit dem Gedanken, sein Generalat niederzulegen, doch er hatte einfach zu viel eigenes Geld hineingesteckt. Also musste er möglichst schnell einen Sieg erringen, und dies gelang ihm im September 1627, als er den dänischen König Christian IV. und sein Heer vernichtend schlug.

Am 1.Februar 1628 erhielt Wallenstein als Pfand für seine Kriegsausgaben das Herzogtum Mecklenburg als Lehen. Darüber hinaus übergab der Kaiser Wallenstein das Fürstentum Sagan zu ewigem Leben und erhob es zum Herzogtum. So war der Kleinadlige Wallenstein durch Kriegsgeschäfte nicht nur einer der reichsten Männer im Land geworden, sondern auch einer der mächtigsten – er gehörte jetzt zu den Fürsten des Heiligen Römischen Reichs! Für seine Ausgaben erhielt Wallenstein überdies noch das Bistum Schwerin übereignet, das wie die anderen Güter erheblich wertvoller als der ausgegebene Pfandpreis war.

Auch militärisch schlug Wallenstein einen weiteren Machtzuwachs für sich heraus. Er wurde zum „General des Ozeanischen und Baltischen Meeres“ ernannt und konnte so nahezu eigenverantwortlich in allen Belangen über die Armee befehlen. Auf diesem Höhepunkt seiner Macht war Wallenstein nicht ohne Gegner. Überhaupt besaß er zeitlebens mehr Feinde als Freunde; offenbar hat er sich nie um Zuneigung bemüht. Seine mächtigsten Gegenspieler waren des Kaisers Sohn Ferdinand, der selbst Ehrgeiz auf das Amt des Oberbefehlshabers entwickelte, und Herzog (seit 1623 Kurfürst) Maximilian von Bayern, dem der Zuwachs an kaiserlicher Macht missfiel. Und Maximilian hatte einen Trumpf im Ärmel: Der Kaiser wollte die Kurfürsten dazu bewegen, seinen Sohn Ferdinand zum Römischen König krönen zu lassen; Maximilian und die anderen Kurfürsten sperrten sich gegen diesen Wunsch und forderten im Juni 1630 in Regensburg den Kaiser auf, sich zwischen ihnen und Wallenstein zu entscheiden. Der Kaiser entschied sich für die Krönung seines Sohnes...

Wallenstein nahm die Entscheidung erstaunlich gelassen auf und zog sich auf seine böhmischen Güter zurück, die er zu einem Zentrum der Militärindustrie ausgebaut hatte. Dort ließ er sich durch sein umfangreiches Informantennetz auf dem Laufenden halten. Er beriet den Kaiser weiterhin und korrespondierte mit seinen Militärs, die ihn beschworen, zurückzukommen. Nach 16 Monaten als Privatier wurde Wallenstein plötzlich unentbehrlich für den Kaiser: Gustav Adolf von Schweden und sächsische Kurfürst hatten im September 1631 Tilly bei Breitenfeld vernichtend geschlagen. Wallenstein war nun bereit, ein zweites Generalat anzunehmen – zu seinen Bedingungen. Diese wurden am 13.April 1632 in der „Göllersdorfer Vereinbarung“ festgehalten: Wallenstein erhielt als „Generalissimus des Kaisers des Reiches“ uneingeschränkte Kommandoführung und Gewalt über die Armee. Es stand ihm auch zu, eigenmächtig Friedensverhandlungen zu führen. Mit dieser Machtfülle ging er gegen Schweden und Sachsen vor. 1632 kam es zur unentschiedenen Schlacht bei Lützen, in der der Schwedenkönig fiel. Es folgte eine zögerliche Kriegsführung, während Wallenstein Friedensfühler zu Schweden und zu Sachsen ausstreckte. Diese Gespräche mit dem Feind gossen Öl ins Feuer der ohnehin negativen Stimmen gegen den Feldherrn. Ferdinand II. misstraute Wallenstein immer mehr und setzte am 24.Januar 1634 ein Schreiben auf, das den Friedländer von seinem Oberbefehl absetzte. Ein zweites Schreiben des Kaisers sprach von einer Verschwörung, deren Drahtzieher gefangen zu setzen bzw. zu töten seien.

Unter Führung von Graf Piccolomini, einem einstigen Vertrauten Wallensteins, wurde die Ermordung des „Hochverräters“ geplant. Wallenstein selbst erfuhr erst knapp einen Monat nach dem offiziellen Patent des Kaisers von seiner Amtsenthebung. Offenbar wollte er daraufhin Asyl in Sachsen suchen und machte sich über Eger dorthin auf. Dort stieß Walter Butler , auch ein Oberst seiner alten Armee, zu ihm. Dessen Schergen verwandelten das Essen beim Stadtkommandanten auf der Burg in ein Blutbad: Wallensteins verbliebene Getreue – Illo, Trcka, Graf Kinsky und der Sekretär Niemann – waren zu ihrer Ermordung eingeladen worden. Wallenstein selbst residierte im Paschelbel-Haus, wo er wenige Stunden nach dem Blutbad auf der Burg in seinem Schlafzimmer durch den Stoß einer Hellebarde ein elendes Ende fand.

Damit erfüllte sich Wallensteins Horoskop auf eine Art und Weise, die der Ersteller Kepler so wohl kaum vorhergesehen haben dürfte: Die Karriere steil, die Gefahren gewaltig, die Hindernisse immens – und der Fall jäh und tief...

 

 Zur Person von Albrecht Eusebius Wenzel von Waldstein (Wallenstein):

1583 geb. am 24.9. zu Hermanitz/Böhmen
1599-1602  Studium in Altdorf, Bologna und Padua
seit 1604 im habsburgischen Militär- und Hofdienst, Übertritt zum katholischen Glauben
1609 Ehe mit Lukrezia von Witschkow (gest. 1614) macht Wallenstein zum reichen Standesherrn in Mähren
1618-1620 Kaisertreu im böhmischen Aufstand, erwirbt große Ländereien um Friedland
1623 Zweite Ehe mit Isabelle von Harrach schafft Kontakte zum Wiener Hof
1625 Erhebung zum Herzog von Friedland und zum Reichsfürsten
1626-1629 Als kaiserlicher Oberbefehlshaber mit Tilly Sieger im Dänisch-Niedersächsischen Krieg; Belehnung mit Mecklenburg und Sagan
1630 Absetzung auf Drängen Maximilians von Bayern und anderer Reichsfürsten
1632 Rückberufung gegen Gustav Adolf von Schweden
1634 Zweite Absetzung, Ächtung; am 25.2. in Eger ermordet

Text aus:
G/Geschichte 6/2002 – Menschen-Ereignisse-Epochen
Sailer Verlag, Redaktion G, Nürnberg